Beckenbodentraining nach der Geburt beginnt sanft: Schon im Wochenbett können Sie Ihren Beckenboden wieder spüren lernen, nach Rücksprache mit Ihrer Hebamme oder frauenärztlichen Praxis. Häufig folgt nach etwa sechs bis acht Wochen und nach ärztlicher Freigabe ein Rückbildungskurs. Bleiben danach Beschwerden wie Blasenschwäche, lassen Sie diese frauenärztlich abklären. Dann kann gezieltes Training in der Physiotherapie sinnvoll sein, zum Beispiel nach dem Tanzberger-Konzept®.
Mehr zum Beckenbodentraining in unserer Praxis
Warum Beckenbodentraining nach der Geburt wichtig ist
Der Beckenboden ist eine Schicht aus Muskeln und Bindegewebe, die das Becken nach unten abschließt. Er trägt Blase, Gebärmutter und Darm und unterstützt die Schließmuskeln. Schon in der Schwangerschaft lastet immer mehr Gewicht auf ihm, bei einer vaginalen Geburt wird er zusätzlich stark gedehnt. Deshalb lohnt sich der Blick auf den Beckenboden auch nach einem Kaiserschnitt.
Viele Frauen merken in den ersten Wochen, dass beim Husten, Niesen oder Lachen etwas Urin verloren geht oder sich der Unterleib schwach anfühlt. Das ist häufig und kein Grund, sich zu schämen. Oft bessert es sich in den ersten Monaten, regelmäßiges Üben kann dabei helfen.
Beckenboden nach der Geburt: ab wann trainieren?
Einen festen Stichtag gibt es nicht. Als grobe Orientierung:
- Im Wochenbett: sanft wahrnehmen
In den ersten Wochen geht es ums Spüren, nicht um Kraft. Leichte Atem- und Wahrnehmungsübungen sind oft schon früh möglich. - Nach dem Wochenbett: Rückbildungskurs
Häufig nach etwa sechs bis acht Wochen beginnt der Rückbildungskurs. Die Freigabe holen Sie sich am besten bei der frauenärztlichen Nachuntersuchung. Nach einem Kaiserschnitt kann der Einstieg später liegen. - Danach: dranbleiben
Bleiben Beschwerden, lassen Sie diese frauenärztlich abklären. Danach kann gezieltes Beckenbodentraining in der Physiotherapie helfen, ohne Beschwerden ein ruhiges Training wie Pilates.
Was im Wochenbett schon guttut
Das Wochenbett ist zum Ausruhen da. Trotzdem können Sie Ihren Beckenboden schon jetzt entlasten und behutsam kennenlernen. Besprechen Sie Übungen vorher mit Ihrer Hebamme, besonders nach Dammriss, Dammschnitt oder Kaiserschnitt.
- Atmen und spüren: Im Liegen ruhig atmen, beim Ausatmen den Beckenboden ganz leicht anspannen, beim Einatmen wieder lösen. Ohne Pressen und ohne die Luft anzuhalten.
- Über die Seite aufstehen: Erst auf die Seite drehen, dann mit den Armen hochstützen. Das schont Bauch und Beckenboden.
- Schweres meiden: Anfangs möglichst nichts heben, was schwerer ist als Ihr Baby.
- Nicht pressen: Auf der Toilette Zeit lassen. Bei hartem Stuhl fragen Sie Ihre Hebamme, was helfen kann.
- Vor dem Husten anspannen: Den Beckenboden kurz vor dem Husten oder Niesen leicht anspannen.
Üben Sie bitte nicht, indem Sie beim Wasserlassen den Harnstrahl unterbrechen. Das kann die Entleerung der Blase stören.
Rückbildungskurs: was er bringt und wer ihn bezahlt
Im Rückbildungskurs, auch Rückbildungsgymnastik genannt, kräftigen Sie Beckenboden, Bauch und Rücken in kleinen Schritten und lernen, sich mit Baby schonend zu bewegen. Die Kurse bieten meist Hebammen an, die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten. Fragen Sie früh nach einem Platz, gern schon in der Schwangerschaft.
Der Kurs ist ein guter Anfang, aber kein Abschluss: Der Beckenboden braucht auch danach regelmäßige Bewegung. Mit Joggen, Springen, schwerem Heben und Sit-ups warten Sie am besten, bis er im Alltag wieder zuverlässig mitarbeitet. Diese Belastungen fordern ihn stark.
Wenn Beschwerden bleiben: Training nach dem Tanzberger-Konzept
Verlieren Sie nach dem Rückbildungskurs noch ungewollt Urin, fühlt sich der Beckenboden schwach an oder lassen sich Winde schlecht halten? Dann lassen Sie die Ursache bitte zuerst frauenärztlich abklären. Danach kann gezieltes Beckenbodentraining in der Physiotherapie sinnvoll sein.
In unserer Praxis in Michelau bei Gerolzhofen arbeiten wir dabei nach dem Tanzberger-Konzept, das Renate Tanzberger Ende der 1970er-Jahre entwickelt hat. Es verbindet drei Bausteine:
- Wahrnehmung: den Beckenboden spüren, bewusst anspannen und wieder lösen
- Bewegung: Übungen in verschiedenen Ausgangsstellungen, etwa im Liegen, Sitzen und Stehen, mit und ohne Übungsgeräte
- Phonetische Atemtechniken: Atemübungen, bei denen Sie beim Ausatmen bestimmte Laute bilden
Im Mittelpunkt stehen die Schließmuskeln von Blase und After, die Sie in langsamen, aufeinander aufbauenden Schritten kräftigen. Genauso wichtig sind die Hausaufgaben: Erst regelmäßiges Üben zu Hause bringt das Gelernte in den Alltag.
Eine Verordnung stellt meist die frauenärztliche Praxis aus, oft als Krankengymnastik. Ohne Rezept können Sie als Selbstzahlerin kommen, denn Heike Wagner ist Heilpraktikerin für Physiotherapie. Die frauenärztliche Abklärung ersetzt das nicht.
Wieder in Bewegung: Pilates nach der Schwangerschaft
Ist die Rückbildung abgeschlossen, möchten viele Frauen wieder mehr für Rücken und Körpermitte tun. Dafür eignet sich BodyBalancePilates®, ein ruhiges Training für Kraft, Haltung und Atmung, ausdrücklich auch nach einer Schwangerschaft. Bei Beschwerden wie Blasenschwäche ist zuerst gezieltes Beckenbodentraining der passende Schritt.
Unser Kurs BodyBalancePilates ist bei der Zentralen Prüfstelle Prävention (ZPP) als Präventionskurs zertifiziert, viele Krankenkassen bezuschussen ihn. Mehr dazu im Ratgeber zum Kassenzuschuss. Den Einstieg besprechen Sie bitte vorher mit Ihrer frauenärztlichen Praxis oder Hebamme.
Warnzeichen: wann Sie in die frauenärztliche Praxis gehen sollten
Manche Beschwerden sollten Sie nicht einfach abwarten. Bitte lassen Sie sie frauenärztlich abklären, wenn Sie Folgendes bemerken:
- ungewollter Urinverlust, der nach Wochenbett und Rückbildungskurs anhält
- ein Druck- oder Fremdkörpergefühl in der Scheide, als würde etwas nach unten drängen (Senkungsgefühl)
- Schmerzen im Becken, an der Naht oder beim Geschlechtsverkehr, die nicht nachlassen
- Stuhl oder Winde, die sich nicht zuverlässig halten lassen
Bei Fieber, starken Schmerzen oder plötzlich stärkeren Blutungen im Wochenbett wenden Sie sich bitte umgehend an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Hebamme. Die Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt, wir befunden physiotherapeutisch und stimmen das Training darauf ab.
Beckenbodentraining in unserer Praxis in Michelau
Im Beckenbodentraining nach dem Tanzberger-Konzept üben Sie bei uns in Ruhe und in Ihrem Tempo. Wer Sie begleitet, besprechen wir bei der Terminvereinbarung. Sagen Sie uns dabei gern Ihren Wunsch.
Unsere Praxis liegt in Michelau im Steigerwald (Ortsteil Sudrach) nahe Gerolzhofen, im Landkreis Schweinfurt.
Häufige Fragen
Ab wann darf ich nach der Geburt mit Beckenbodentraining beginnen?
Sanfte Wahrnehmungsübungen sind oft schon im Wochenbett möglich. Kräftigendes Training wie der Rückbildungskurs beginnt häufig nach etwa sechs bis acht Wochen, nach ärztlicher Freigabe. Den genauen Zeitpunkt legen Sie mit Ihrer frauenärztlichen Praxis oder Hebamme fest.
Ist es normal, nach der Geburt Urin zu verlieren?
In den ersten Wochen kommt das häufig vor und bessert sich oft mit der Zeit und mit Übung. Hält der Urinverlust nach Wochenbett und Rückbildungskurs an, sprechen Sie bitte mit Ihrer frauenärztlichen Praxis. Dann kann gezieltes Beckenbodentraining sinnvoll sein.
Ist Beckenbodentraining auch Jahre nach der Geburt noch sinnvoll?
Ja. Auch Monate oder Jahre nach der Geburt kann gezieltes Beckenbodentraining sinnvoll sein, zum Beispiel wenn eine Blasenschwäche erst später auffällt. Lassen Sie die Ursache vorher frauenärztlich abklären.
Brauche ich nach einem Kaiserschnitt auch Beckenbodentraining?
Ja, auch dann ist es sinnvoll, denn schon die Schwangerschaft belastet den Beckenboden. Weil zusätzlich die Bauchnarbe verheilen muss, kann der Einstieg in kräftigende Übungen später liegen. Den Zeitpunkt besprechen Sie mit Ihrer frauenärztlichen Praxis oder Hebamme.
Zahlt die Krankenkasse Beckenbodentraining nach der Geburt?
Den Rückbildungskurs bei einer Hebamme übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel. Physiotherapie bei Beschwerden kann Ihnen die frauenärztliche Praxis verordnen. Steht die Verordnung im Zusammenhang mit der Entbindung, kann die Zuzahlung entfallen. Das vermerkt die verordnende Praxis auf dem Rezept. Sonst zahlen Sie die gesetzliche Zuzahlung (10 Prozent plus 10 Euro je Verordnung), sofern Ihre Krankenkasse Sie nicht davon befreit hat.
Ohne Rezept ist das Training als Privatleistung möglich, die Preise nennen wir Ihnen gern. Den Fragebogen für Behandlungen ohne Rezept (Direktzugang) finden Sie unter Downloads.

